Argumentationsanalyse im Bereich der Fahrnisübereignung

Projektdetails

Beschreibung

Der internationale sachenrechtliche Diskurs hat sich in den letzten Jahren enorm intensiviert, und zwar sowohl in rechtsvergleichender Hinsicht als auch, teilweise, in Hinblick auf eine mögliche Rechtsharmonisierung innerhalb der EU. Aufgrund der unterschiedlichen Traditionen und der Komplexität des Eigentumstransfers (Stichwort: Drittinteressen) wird eine Vielzahl an Argumenten für verschiedene Lösungen vertreten. Allerdings werden diese Argumente häufig auf völlig unterschiedlichen Ebenen vorgebracht und beziehen sich auf unterschiedliche Interessen, so dass sie sich wechselseitig nicht direkt angreifen. Zudem bleiben Argumentationen teilweise unvollständig und intransparent, was ein Abwägen der Argumente untereinander erschwert.
Im Rahmen des Projekts wird daher zum einen eine detaillierte rechtsvergleichende Bestandsaufnahme relevanter Argumentationen erstellt (zum Umfang siehe unter „Projektziel“). Das Hauptanliegen ist es sodann, diese Argumentation zu strukturieren, zu analysieren und zu evaluieren, um den internationalen sachenrechtlichen Diskurs vollständiger und transparenter zu machen. Siehe hierzu näher unter „Methode und Vorgangsweise“.

Die im aktuellen Diskurs vorzufindenden Argumentationen werden zunächst rekonstruiert und anschließend einer eingehenden Analyse und Bewertung unterzogen. Zu diesem Zweck werden in der Disziplin der Argumentationstheorie entwickelte Methoden und Instrumentarien angewendet. Basierend auf Ansätzen, die hauptsächlich auf Kopperschmidt, Toulmin und Naess zurückgehen, wird die Argumentation rekonstruiert und in einem fünfstufigen Prozess einer Makro- und Mikroanalyse sowie einer Bewertung unterzogen. Einer der methodologischen Hauptansätze besteht im Rückgriff auf einen „funktionalen Ansatz“ nach skandinavischem und amerikanischem Vorbild, also darin, die Frage des „Eigentumsübergangs“ in einzelne typische „Konfliktsituationen“ zu unterteilen (z.B. Schutz des Käufers gegenüber den Gläubigern des Verkäufers; Diebstahl oder Beschädigung verkaufter, aber noch nicht übergebener Waren durch Dritte zwischen Vertragsschluss und Übergabe; Nutzungsberechtigung an verkauften Waren etc.). Dies soll sicherstellen, dass (ausschließlich) solche Argumente identifiziert und in Betracht gezogen werden, die für den jeweiligen Konflikt von spezifischer Bedeutung sind.

Ziel des Projekts ist es zunächst, eine detaillierte rechtsvergleichende Bestandsaufnahme relevanter Argumentationen in der deutschen, österreichischen, niederländischen, französischen, belgischen, schwedischen, englischen und US-amerikanischen Rechtsliteratur und Gerichtspraxis sowie in der gegenwärtigen Harmonisierungsdebatte zu erstellen. Das Hauptanliegen ist es sodann, diese Argumentation zu strukturieren, zu analysieren und zu evaluieren, um den internationalen sachenrechtlichen Diskurs vollständiger und transparenter zu machen. Die Ergebnisse können neben ihrem rechtsvergleichend-wissenschaftlichen Wert auch Gesetzgebern, Gerichten und Praktikern dienlich sein. Die im Rahmen des Projekts im Einzelnen zu entwickelnde Methode der Argumentationsanalyse sollte auch in anderen Bereichen der Rechtswissenschaft fruchtbar gemacht werden können.
Siehe näher auch unter „Projektbeschreibung“.
StatusAbgeschlossen
Tatsächlicher Beginn/ -es Ende1/09/0831/08/13

Systematik der Wissenschaftszweige 2002

  • 5224 Rechtsvergleichung
  • 5223 Rechtsphilosophie
  • 5263 Sachenrecht