Art is a doctor. Interdisziplinäre Erforschung von musikalischer Betätigung bei Kindern und Jugendlichen mit einem Schwerpunkt auf psychisch Kranke und sozial Unterprivilegierte

Projektdetails

Beschreibung

Das Zitat „Art is a doctor“ der österreichischen Künstlerin Zenita Komad erinnert an die in Vergessenheit geratene Medizin als eine Heilkunst und mahnen, die allein durch administrative Zwänge etablierte Trennung der Sphären Kultur und Gesundheit zu überwinden und die tiefe Verbundenheit von Kunst und Lebenswissenschaften neu zu bewerten. Jüngere Forschungen stützen die Hypothese, dass künstlerische Aktivitäten adjuvante therapeutische Potenziale freisetzen und über kürzer und längere Zeiträume Heilungsverläufe positiv beeinflussen können. Das gemeinsame Singen in einer Chorgruppe etwa bietet über eine Ästhetisierung des Alltags in einer Behandlungseinrichtung für psychisch kranke Kinder und Jugendliche hinaus die Chance, den Patientinnen und Patienten zu mehr Wohlbefinden und Lebensqualität zu verhelfen. Die aktuell hohe Prävalenz von emotionaler und Verhaltensstörungen im Kindes- und Jugendalter einerseits und die Vielschichtigkeit der psychischen Auffälligkeiten andererseits verleihen dieser Forderung, verbunden mit fehlenden, überbrückenden Maßnahmen zwischen Klinikaufenthalt und Rückkehr in den Alltag, nach multi-modalen Behandlungskonzepten und adjuvanten, effektiven, kostengünstigen und nebenwirkungsarmen Therapieansätzen einen besonderen Nachdruck (Thun-Hohenstein und Schafellner, 2013; Hudziak, 2017).
Musikalische Aktivitäten wie Musizieren, Musikhören oder Singen und Tanzen werden in diesem Zusammenhang nicht nur vermehrt im klinisch-therapeutischen Kontext eingesetzt (Stegemann & Schmidt, 2015), sondern gelangen in den Fokus der wachsenden internationalen Forschungsdebatte (z.B. MacDonald, Kreutz und Mitchell, 2012; Bernatzky und Kreutz, 2015; Christensen und Gomila, 2018). Insbesondere das Chorsingen scheint mit positiven psychologischen und biologischen Reaktionen assoziiert und kann zur Besserung der Lebensqualität und des Wohlbefindens beitragen (z.B. Fancourt, et al., 2016; Grebosz-Haring und Thun-Hohenstein, in Druck; Grebosz-Haring und Thun-Hohenstein, 2018; Kreutz, 2014; Kreutz et al., 2004). Dennoch fehlen die Untersuchungen zu Ähnlichkeiten und Unterschieden der psychologischen und neurochemischen Antworten auf musikalische Aktivitäten zwischen nicht-klinischen und klinischen Bevölkerungsgruppen unter Kinder und Jugendlichen. In letzterem sind die methodologischen Herausforderung aufgrund der Krankheitsbilder und Schwankungen im täglichen Befinden der psychisch kranken Kindern- und Jugendlichen nochmals verstärkt und eine wissenschaftliche Forschung bedarf einer besonders sensiblen Vorbereitung.
Das Ziel der geplanten kontrollierten Studie besteht nun darin, die längerfristige (6 Monate) Wertigkeit des Singens in einer Gruppe von einerseits psychisch kranken und andererseits gesunden Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 10 und 18 Jahren zu erforschen. Untersucht werden dabei die Auswirkungen des Singens auf die ästhetisch-emotionale Erfahrung, die soziale Kompetenz, die Befindlichkeit und das Wohlbefinden sowie neurochemische Reaktionen (z.B. Cortisol, Alpha-Amylase, Immunoglobulin A). Daraus sollten sich wesentliche Ansatzpunkte für die Behandlung und Prävention psychischer Erkrankungen ergeben und gleichzeitig die Künste als ein zentrales Moment menschlichen Daseins in den Mittelpunkt der Betrachtung rücken. Die immanenten künstlerischen Kompetenzen der Kinder und Jugendlichen stellen somit eine wichtige Komponente in diesem Forschungsprozess dar. Das Vorhaben ist als interdisziplinäres Grundlagenforschungsprojekt angelegt, das in der Verbindung von künstlerischer Praxis, wissenschaftlicher Forschung und Medizin im Rahmen eines klinischen Settings entwickelt wird und dazu dient, Kindern und Jugendlichen in schwierigen Lebenssituationen mit Hilfe von Musik und musikalischer Betätigung in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen. Durch die neuen Interventionsansätze sowie Untersuchungsmethoden, sollte ein innovativer Forschungsansatz gelingen, der das Spektrum der traditionellen disziplinär konzipierten Medizinforschung wesentlich erweitert.
KurztitelArt is a doctor
AkronymArt is a doctor
StatusLaufend
Tatsächlicher Beginn/ -es Ende1/03/2030/09/22

Schlagwörter

  • Musik, Singen, Kinder und Jugendliche, psychiatrische Erkrankungen, Cortisol, Immunoglobulin A, Alpha-Amylase

Publikationen

Art Interventions for Children and Adolescents with Psychiatric Disorders: A Systematic Review

Grebosz-Haring, K., Schuchter-Wiegand, A. K., Clift, S., Irons, J. Y. & Thun-Hohenstein, L., 2020, (In Vorbereitung) in : Developmental Medicine and Child Neurology.

Publikation: Beitrag in FachzeitschriftReview article

Creative Arts in Children and Adolescents with Mental Disorders: Results from a Pilot Study

Grebosz-Haring, K. & Thun-Hohenstein, L., 2020, (In Vorbereitung) in : The Arts in Psychotherapy.

Publikation: Beitrag in FachzeitschriftArtikel

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