Papyrologischer Kommentar zu den neutestamentlichen Passionsberichten

Projektdetails

Beschreibung

Mit dem Vorhaben wird insofern wissenschaftliches Neuland betreten, als dokumentarische Papyri und Ostraka im Hinblick auf die Passionsberichte umfassend gesichtet, ausgewertet und kommentiert werden sollen.
Um jenes dokumentarische Material darzubieten und zu kommentieren, das zu den Berichten über Gefangennahme, Anklage, Prozess, Verurteilung und Hinrichtung des Jesus von Nazaret als paralleles Material angesehen werden kann, ist es nötig, die verschiedenen Dokumenttypen und ihre inhaltlichen und rhetorischen Aspekte zu analysieren. Das Ziel dieses Projektes ist ein fortlaufender und vollständiger Kommentar zu den neutestamentlichen Passionsberichten vor diesem Hintergrund. Im Speziellen soll die römische Gerichtsbarkeit, der Judäa zum Zeitpunkt der Kreuzigung Jesu unterstand, beleuchtet werden. Dies inkludiert unter anderem Untersuchungen zu widerrechtlichem Verhalten von Seiten der Justiz, zu Gründen für Todesurteile sowie zum römischen Begnadigungsrecht. Die dokumentarischen Quellen sind jenes Textmaterial, das in diesen Fragen auch einen direkten Zugang zur Praxis des Alltags bietet. Weiters soll ein Exkurs zu judenfeindlichen und römerfreundlichen Darstellungsweisen erfolgen.

Die gewählte Methode des Textvergleichs hat vor allem folgenden Kriterien zu folgen:
1. Als Vergleichstexte kommen grundsätzlich nur solche Texte in Frage, die aus dem geschichtlichen Umfeld des Neuen Testaments stammen, aber noch keinen Reflex auf die Präsenz des Neuen Testaments selbst erkennen lassen.
2. Der Evidenzgrad des Vergleichs ist umso größer, je näher die zeitlichen Rahmenbedingungen der Texte beieinander liegen.
3. Der Evidenzgrad des Vergleichs ist umso größer, je näher die geographischen Rahmenbedingungen der Texte beieinander liegen.
4. Der Evidenzgrad des Vergleichs ist umso größer, je näher die kulturellen, rechtlichen und sozialen Rahmenbedingungen der Texte beieinander liegen.
5. Die Übereinstimmung in semantischen Feldern, Textsorte und gedanklichem Gehalt erhöht in jedem Fall den Vergleichswert, Unterschiede in diesen Aspekten mindern den Vergleichswert oder schließen die Vergleichbarkeit sogar aus.
6. Vergleichbarkeit von Texten ist kein eindeutiger Beleg für deren Abhängigkeit, wohl aber für Art und Umfang der Verständnismöglichkeiten. Ähnlichkeiten und Kontraste sollten zunächst wertfrei zur Kenntnis genommen werden.
7. Vergleichstexte liefern eine (oder mehrere) Verständnismöglichkeit(en), nicht eine einzige und letztgültige Bedeutung.

Ziel des Projektes ist die Erarbeitung eines wissenschaftlichen Kommentars zu den ntl. Passionsberichten (Mk 14–15; Mt 26–27; Lk 22–23; Joh 18–19) aufgrund des dokumentarischen Vergleichsmaterials (Papyri, Ostraka und Wachs- bzw. Holztäfelchen) aus griechisch-römischer Zeit.
Im Sinne der wissenschaftlichen Kommentarliteratur steht ein derartiger „papyrologischer Kommentar“ zunächst in der Tradition der exegetischen Kommentarliteratur historisch-kritischer Prägung (kritische Einleitung und Darlegung der Hintergründe des Textes, Vers-für-Vers-Interpretation, Exkurse), dann aber stellt er auch eine entscheidende Ergänzung zu den traditonellen exegetischen Kommentaren dar, insofern alle weltweit veröffentlichten dokumentarischen Papyri, Ostraka und Wachs- bzw. Holztäfelchen als Vergleichsmaterial herangezogen werden.
Auf diesem Hintergrund werden die Sprache, die Themen, die zeitgeschichtliche, rechtliche und soziale Situation der Passionsberichte eingehend beleuchtet und – teilweise neu – kommentiert. Im Rahmen dessen sollen grundsätzliche und detaillierte Fragen, die im vorliegenden Fall vor allem rechtliche Aspekte betreffen, in Form von Exkursen besonders behandelt werden.
KurztitelPapyrologischer Kommentar zu den ntl. Passionsberichten
StatusAbgeschlossen
Tatsächlicher Beginn/ -es Ende1/10/0830/09/13

Systematik der Wissenschaftszweige 2002

  • 6528 Papyrologie
  • 6517 Rechtsgeschichte
  • 6412 Neutestamentliche Bibelwissenschaft
  • 6717 Papyrologie