WOHNUNGSPOLITIK UND WOHNBAUFÖRDERUNG IN ÖSTERREICH (2. Republik)

  • Hoffmann, Robert, (Projektleitung)

Projektdetails

Beschreibung

Die Frage, wie die Wohnungspolitik und speziell die Wohnbauförderung gestaltet werden sollten, zählte zu den zentralen politischen Themen der Zweiten Republik. Im Mittelpunkt der politischen Diskussion stand die schwierige Frage, ob der Wohnungsbau der Initiative Privater überlassen oder aber durch umfangreiche staatliche Fördermaßnahmen stimuliert werden sollte. Während die Stärkung des privaten Engagements eher von der ÖVP vertreten wurde, plädierte die SPÖ für eine umfangreiche staatliche Intervention am Wohnungsmarkt. Das Projekt geht von der These aus, daß sich beide Parteien zunächst auf einen Konsens in der Wohnungspolitik verständigten und eine Reihe von Bundesgesetzen über die Wohnbauförderung beschlossen. Seit den 1960er Jahren wurde dieser Konsens brüchig und traten die erheblichen Auffassungsunterschiede in zentralen Fragen der Wohnungspolitik stärker zutage. Kritische Beobachter glauben, einen Trend zur „Privatisierung“ im Wohnungswesen zu erkennen: Charakteristisch für einen stärkeren privaten Einfluß sind die Kürzung der öffentlichen Fördergelder und der Bedeutungsgewinn privater Geldmittel, die Förderung privater Bauherren, die Stärkung des Wohnungseigentums sowie der Verkauf von Mietwohnungen an ihre Bewohner. Der bisherigen Forschungsstand zeigt, daß im Laufe der 2. Republik das Gewicht der öffentlichen Hand ab- und die Bedeutung der Privatinitiative zunahm. Auch diese zentrale Fragestellungen soll im Rahmen des Projekts genauer geprüft werden.



Historische Analyse unterschiedlicher Quellenbestände zur Geschichte des Sozialen Wohnungswesens.
Als Quellenbasis dienen die umfassenden Bestände im Archiv der Republik (AdR), wo die Akten jener Bundesministerien aufbewahrt werden, die an der Ausarbeitung der einzelnen Fördergesetze unmittelbar mitwirkten. In Mittelpunkt stehen das Bundesministerium für Handel und Wiederaufbau und das Bundesministerium für soziale Verwaltung. Auch die stenographischen Protokolle des österreichischen Nationalrates sind eine wichtige Informationsquelle, da sie Aufschluß über die politischen Positionen geben und erkennen lassen, aus welchen Motiven die einzelnen Parteien ein Gesetz unterstützten oder ablehnten. Als Ergänzung werden Artikel aus Tageszeitungen und Fachzeitschriften herangezogen, weiters sollen die Bestände in Parteiarchiven helfen, die Biographien wichtiger Politiker zu rekonstruieren.

Die österreichische Forschung konzentrierte sich bisher auf die Wohnungspolitik im 19. und frühen 20. Jahrhundert und widmete dabei dem Wiener Gemeindewohnbau eine besondere Aufmerksamkeit, während die 2. Republik eher stiefmütterlich behandelt wurde. Das Forschungsvorhaben rückt die Periode nach 1945 in den Mittelpunkt und versucht, die Positionen der Parteien und Interessensverbände zu klären und die Entscheidungsvorgänge in der Wohnungspolitik genauer zu erfassen.



Rekonstruktion und Analyse des österreichischen Systems des Sozialen Wohnbaus nach 1945
StatusAbgeschlossen
Tatsächlicher Beginn/ -es Ende1/02/0331/01/05

Systematik der Wissenschaftszweige 2002

  • 6514 Österreichische Geschichte